Einige allgemeine Information und Tipps zu Großbritannien

Wenn es nur dies hier zu sehen gäbe, die Reise hätte sich gelohnt!‘ – rief Lord Tennyson, als er im Exmoor vor den ,Tarr Steps‘, der längsten ,Clapper Bridge‘ Englands stand (im 13. Jh. erbaute Brücke aus aneinandergelegten Steinplatten). Die Worte des viktorianischen Dichters treffen ein Gefühl, das man auf einer Reise ins vereinigte Königreich leicht bekommen kann. Ob man im menschenleeren, rauen schottischen Hochland im Nebel plötzlich vor einem einsamen feuerroten Telefonhäuschen steht, mit der Zahnradbahn staunend den höchsten Berg von Wales – den Snowdon (1085 m) – hinauffährt, ob man sich im größten Buchladen Oxfords (Blackwells) verirrt hat oder auf einen riesigen walisischen Viehmarkt geraten ist – vor bekannten und unbekannten Sehenswürdigkeiten fragt man sich bisweilen, ob dies nun Vision oder Realität sei. ,Great Britain‘ ist auf jeden Fall viel zu schade dafür, zügig durchzureisen und die ,wichtigen‘ Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Zu viel Spezielles, Außergewöhnliches oder auch Skurriles gibt es zu entdecken. Es lohnt sich, ins Detail zu gehen. Hier kann man stilvoll und ohne Hektik die unterschiedlichsten Landschaften und entzückende Dörfer kennenlernen, im eigenen Auto, im Bus, mit der Bahn, mit einem traditionellen Kanalboot (narrow boat) oder zu Fuß. Man wohnt unterwegs vielleicht in gemütlichen, sehr schönen Landhotels, genießt am Nachmittag den traditionellen ,Cream Tea‘ und kehrt in urigen Pubs ein. In aufregendem Kontrast zur ,Countryside‘, die einem häufig wie ein Idyll aus der ,guten, alten Zeit‘ vorkommt, stehen die großen Städte, allen voran die Metropole London. Durch Einwanderung und Einfluss aus den Commonwealth-Ländern bieten sie ein sehr belebtes, interessantes Bild und besitzen multikulturellen Flair. Alle Städte sind reich an Museen, Ausstellungen, guten Einkaufsmöglichkeiten und auch an gastronomischen Erlebnissen.
England, Schottland und Wales bieten unheimlich viel Stoff für immer neue Reise-Ideen. Wer den ,british way of life‘ mag, Sinn für seine schönsten Eigenarten und ein Auge für das Besondere hat, für den wird das Vereinigte Königreich sicherlich um so interessanter werden, je öfter er dorthin reist.
Eine besondere englische Eigenschaft ist das Bewahren, Pflegen und Restaurieren des kulturellen Erbes, um das sich staatliche und private Institutionen gleichermaßen kümmern. Es gibt prähistorische Steinkreise und Grabkammern, Festungsanlagen, Wasserburgen, mittelalterliche Städte, romantische Klosterruinen und komplett renovierte Abteien, zauberhafte Bilderbuchdörfer, Herrenhäuser und Schlösser von innen und von außen zu besichtigen. Anlagen und Gebäude aus der Zeit der industriellen Revolution, die Großbritanniens Gesellschaft viel eher umwälzte als die anderer Länder, werden originalgetreu instandgesetzt und liegen außerdem häufig in den schönsten Landschaften. Leuchttürme, Dampfmaschinen und -lokomotiven, aufgegebene Bergwerke und Fabrik-Komplexe werden als Museen in Betrieb genommen, in denen Webstühle rattern, Wasserräder ächzen und riesige Dampfmaschinen unter Hochdruck arbeiten. 200 Jahre alte Kanalsysteme mit originalen Schleusenanlagen und Tunneln werden wieder genutzt, faszinierende und lebendige Zeugnisse aus der Industriegeschichte Englands werden so für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Auch die Natur profitiert, denn der Landschaftsschutz wird großgeschrieben. Gebietsweise ist die Natur des Inselreiches so unverdorben erhalten oder so wohlgepflegt wie sonst nirgends in Europa. Die insgesamt zehn ,National Parks‘, die ,Areas of Outstanding Natural Beauty‘ und die ,Heritage Coasts‘ werden mitsamt touristischer Infrastruktur von Organisationen wie dem National Trust, der Countryside Commission und vielen anderen mit großem materiellen Aufwand und persönlichem Arbeitseinsatz gehegt und gepflegt. So ist es ein großer Genuss, durch die düster-rauen schottischen Highlands, durch Hecken-, Heide- und Moorgebiete des Dartmoors, oder durch liebliche Kulturlandschaften in Somerset, Devon oder Kent zu fahren. Oder durch die zauberhaft-geheimnisvollen Täler der North York Moors, durch die dramatisch-rauhen Berge des Lake Districts zu wandern. Die englischen ,Long Distance Trails‘, die beliebten Weitwanderwege, ziehen sich eben durch diese schönsten und eigenartigsten Landschaften.

Gärten

Seit dem Beginn der Kolonialisierung wurden Pflanzensammler in königlichem Auftrag oder für die botanischen Gärten nach Europa und in alle Welt ausgesandt. Es gab berühmte und legendäre Persönlichkeiten unter diesen ,plant hunters‘ – Abenteurer, Privatleute oder Handelsreisende. Sie sammelten aus botanischem Ehrgeiz oder um die neuen Pflanzen auf ihre ökonomische Verwertbarkeit hin zu testen. Sie installierten sogar Gewächshäuser auf den Schiffen, damit die ,grüne Beute‘ auch wohlbehalten zu Hause eintraf. So etablierte sich die Grundlage für ein unwahrscheinlich umfassendes Sortiment von heimischen und exotischen Pflanzenarten in Großbritannien. Ein gutes Beispiel dafür sind die ,Royal Botanic Gardens‘ von Kew bei London. In ihrem Auftrag sind noch heute professionelle Pflanzensammler unterwegs. In den Gewächshäusern, Herbarien und der Samensammlung, der ,World Seed Bank‘, von Kew werden etwa 38.000 Pflanzenarten aus allen Klimazonen aufbewahrt und erforscht, um sie vor dem Aussterben zu bewahren und sie eventuell irgendwann einmal in geeigneter Umgebung wiederanzusiedeln.
Wer sich schon einige berühmte Gärten der Britischen Inseln ansehen konnte, hat eine Vorstellung von dem hohen Stellenwert, den ein Leben in und mit Gärten in Großbritannien hat. Die Engländer sind wirkliche Garten- und Pflanzenspezialisten – wissenschaftlich, professionell oder privat. Gärten und Parks jeder Größe, jeden Alters, auf jedem Boden, in jeder Lage, für (beinahe) jeden Zweck und (beinahe) jede Jahreszeit sind zu finden. Vom ozeanischen Klima begünstigt, sind der Vielfalt kaum Grenzen gesetzt. Gärten dokumentieren Trends und Entwicklungen der englischen Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft in einzelnen Zeitepochen, und sie reflektieren die Auseinandersetzung mit Modeströmungen. In der Gartengestaltung wurden künstlerische Konzepte und philosophische Ideale verwirklicht. Im privaten Bereich ist das ,Gärtnern‘ in England ein allgemeiner und vitaler Trend: man liest Publikationen, hört Sendungen in Radio und Fernsehen über richtige Pflanzenbehandlung, besucht andere Gärten und die beliebten ,Flower Shows‘, man kauft in den riesigen ,Gardening Centers‘ ein und entwickelt und verbessert die eigene ,Grünzelle‘. Das alles macht eine ,gärtnerisch‘ orientierte Reise nach Großbritannien für Gartenliebhaber außerordentlich spannend und unterhaltsam.

Essen und Trinken

Wer der englischen Küche mit den üblichen Vorurteilen oder den gängigen Witzen begegnet – und dann nur von Fish & Chips lebt – hat sicherlich etwas versäumt. Viel wird über die englischen Erbsen (giftgrün und groß) gemunkelt, über fade gedünstetes Gemüse, schlecht abgeschmeckte Speisen. So etwas kann einem natürlich passieren, aber oft kommt es glücklicherweise ganz anders: wilder Fasan mit grünen Oliven in Tomatensud oder köstliche Makrelen-Pastete kann es in guten Pubs geben. Abgesehen von einem schönen und urigen Ambiente mit alten Möbeln, Kaminfeuer und origineller Einrichtung, bieten englische Pubs teilweise eine umfangreiche, täglich wechselnde Speisekarte mit guter Hausmannskost (z.B. dem deftigen ,Ploughman’s‘) oder eigenen Kreationen, die mit dem Angebot so manchen gehobenen Restaurants leicht konkurrieren können. Viele Pubs sind weithin bekannt für ihre kulinarischen Qualitäten. Hilfreich sind hier aktuelle Führer oder Apps, wie z.B. der Good Pub Guide.
Die Zusammenstellung und Zubereitung der englischen Rezepte ist oft anders, aber nicht schlechter, als ‚auf dem Kontinent‘: Fleischgerichte in fruchtigen Soßen, Lamm in Minzsoße, die häufige Kombination von süß und sauer. Oft sind es wirklich erfrischende und originelle Zusammenstellungen, in denen die frischen Zutaten der Region präsentiert werden. In Großbritanniens kulinarischer Szene tut sich etwas, und ständig laufen Wettbewerbe regionaler oder überregionaler Art. Einzelne Speisen (Vom ,British Cheeseboard of the Year‘ bis zum ,Dessert of the Year‘), Restaurants, Küchenchefs und Weinkeller werden mit Preisen ausgezeichnet. Wenn man zur Küche dann auch die Getränke zählt, ist die Auswahl im Vereinigten Königreich hervorragend – so gibt es allein über 120 Malt-Whiskies. An einer Bar im verborgensten schottischen Dorf kann man schon mal eine Auswahl von über 50 ausgewählten Sorten vorfinden, hier eine – zugegeben etwas subjektive – ,Hitliste‘: Lagavulin, Cragganmore, Macallan, Talisker, Highland Park, Laphroaig …

Klima

Das Wetter auf den britischen Inseln ist ein kompliziertes Thema und lässt sich nicht in einer einzigen Temperaturtabelle zusammenfassen. Auch der Wetterbericht hat meist mehr unterhaltenden als informativen Charakter. Garantiert aber ist das Wetter bei weitem nicht so schlecht wie sein Ruf! Insellage und warmer Golfstrom bringen Großbritannien ein mildes, maritimes Klima – und relativ wechselhaftes, an den Küsten häufig windiges Wetter ein. Regen verteilt sich ziemlich gleichmäßig über das ganze Jahr. Dafür beschert das feuchtmilde, wechselhafte Wetter im Frühsommer eine explodierende Farbenpracht in den Gärten, wilde Rhododendrenwälder in schottischen Gebirgstälern und die weltberühmten, frischgrünen Landschaften der ,rolling hills‘, ,dales‘ und ,glens‘. Der Meeresnähe ist es zuzuschreiben, dass der Frühling in Südwestengland und an Wales’ Küsten oft früher beginnt als bei uns, so dass bereits im März und erst recht im April Bäume und Blumen blühen. Die Sommer können relativ kühl sein, aber auch heiß und sonnig. Der Südwesten (Cornwall) ist durchschnittlich am wärmsten. Nichts ist unmöglich – in Südengland reift z.B. Wein. In Schottland kann das sommerliche Wetterspektrum von arktisch bis ägäisch reichen – innerhalb eines Tages. Der Herbst hält länger an als bei uns, im August und September blüht die Heide und im Oktober erlebt man die schönsten Herbstfarben. Die Winter sind mäßig warm und regnerisch. Schnee fällt, zumindest im Südwesten, selten, so dass zu Weihnachten und Neujahr sogar Wanderferien in Cornwall oder Wales angeboten werden. Im Juli und August ist Hauptreisezeit, als gute Reisemonate gelten Mai bis September, der Oktober kann noch schön und beständig sein – und mit regenfester Kleidung, robusten Schuhen und einem guten Regenschirm ist man immer gut beraten.

Hotels

Viele der Hotels und Inns in Großbritannien haben einen speziellen britischen Charme. Es sind oft jahrhunderte alte Gebäude mit Holzbalken, niedrigen Deckenhöhen, Kaminen, kleinen Original-Fenstern und ab und zu auch etwas engen Treppen. Die Zimmer sind oft unterschiedlich groß bzw. klein, aber fast immer ganz individuell eingerichtet. Viele der kleinen Hotels und Inns wurden in den letzten Jahren renoviert und vorsichtig modernisiert. Trotzdem kann es noch vorkommen, dass Sie zum Beispiel getrennte Wasserhähne für Heiß- und Kaltwasser vorfinden, dass die typischen englischen Schiebefenster etwas klemmen oder dass wegen der kleinen Fenster das Zimmer nicht ganz so viel Tageslicht bekommt …
Wir bemühen uns, Ihnen nur Hotels vorzuschlagen, die viel Charme haben und Ihnen ein im positiven Sinn „typisch englisches“ Erlebnis ermöglichen: also gemütliche Atmosphäre, nettes Personal, möglichst gutes Essen, gute Lage im Ort oder auf dem Land.

Geld

Geld wechselt man am einfachsten an den Bankautomaten mit der EC-Karte, die eigentlich überall an den Automaten akzeptiert wird. Der Wechselkurs ist deutlich besser als beim Bargeldwechsel und wiegt die zusätzliche Gebühr für Auslandsabhebungen auf. Natürlich können Sie fast überall auch mit Kreditkarte zahlen: im Hotel, beim Tanken, im Restaurant, im Supermarkt …

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