Hortensien, Domaine de Trévarez
Jardin Éxotique de Roscoff
Domaine de la Roche Jagu
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Gärten der Bretagne

Die Bretagne hat einige schöne Gärten, die besichtigt werden können. Im Vergleich zu britischen Gärten sind die meisten bretonischen Gärten zwar nicht ganz so überbordend bepflanzt und perfekt gepflegt, aber sie sind trotzdem sehr sehenswert, haben ihren ganz eigenen Charme und oft eine landschaftlich besonders reizvolle Lage. Im folgenden stellen wir Ihnen einige unserer Favoriten kurz vor.

 

Montmarin bei St. Malo
Chateau de Montmarin
Chateau de Montmarin

Montmarin war vom Ursprung her eine „Malouinière“, ein Landschloss reicher Geschäftsleute und Reeder aus St. Malo, und wurde 1788 zur Schiffbauwerft – für mehr als 300 Schiffe, auch für die Marine – und später nach der Revolution eine Gezeitenmühle. Es liegt am Mündungstrichter der Rance mit einem Garten im französischen Stil aus dem 18. Jhdt. mit ursprünglich vier, jetzt noch zwei zur Rance hin absteigenden Terrassen; mit einem romantischen „englischen“ Gartenteil von 1885, einem ummauerten Gemüsegarten (Potager clos de murs) und einem kleinen versteckten Steingarten am Fluss.
Nach den Verwüstungen durch Stürme 1987 und 1999 (besonders die Bäume waren betroffen) wurde vieles erneuert, weniger formell gestaltet und es wurden viele neue Pflanzen eingeführt.
Der „Pavillon Menus Filains“ ist das letzte Gebäude der Werft aus dem 18. Jahrhundert am Ufer der Rance und kann jetzt nach seiner sorgfältigen Renovierung auch besichtigt werden. Er zeichnet die Geschichte der Werft des Schlosses der Domaine du Montmarin nach; hier wurden zum Beispiel alle möglichen Arten von Seilen und andere für die Seefahrt wichtige Utensilien gelagert.

Domaine de la Roche Jagu bei Pontrieux
Domaine de la Roche Jagu
Domaine de la Roche Jagu

Das Château Roche-Jagu erinnert ein wenig an die Burgen des Périgord, oder an das Loire-Tal, so wie es wehrhaft über dem breiten Fluss Trieux steht. Aber es ist eine bretonische Burg, ein „Monument Historique“, aus dem 11. bzw. aus dem 15. Jhdt. bei Pontrieux im Trégor. Das Erdgeschoss kann man kostenlos besichtigen (mittelalterliche Küche, Großer Saal, Vorratsraum). Der Eintritt zu Garten und Park ist ebenfalls frei. Das 64 Hektar umfassende Gelände musste nach dem zerstörerischen Sturm von 1987 neu gestaltet werden, was Bertrand Paulet (ein Landschaftsarchitekt aus Paris) 1992 übernahm. Er strebt danach, eine gestaltete Landschaft mit der Natur und die mittelalterliche Geschichte des Ortes mit unserer modernen Gegenwart in Einklang zu bringen. Er nahm Quellen, Kanälchen und Kaskaden in sein Konzept auf; renovierte Fisch-, Pferde- und Flachsrottebecken (zum Einweichen von Flachs). Es gibt vieles zu sehen… Gemüsegärten, Zier- und Rosengärten, Kamelienpflanzungen, Palmen… La Roche-Jagu hat auch einen lebhaften Veranstaltungskalender über das ganze Jahr hinweg.

Kerdalo bei Treguier
Kerdalo
Kerdalo

In Kerdalo fühlt man sich eher in England als in Frankreich: man geht vorbei an grünen Wiesen mit kleinen Hinweistäfelchen auf eine seltene Orchideenart und erreicht ein umranktes und umwachsenes graues Gutshaus aus Granit. 1965 begann der russische Maler und Prinz Peter Wolkonsky das kleine abschüssige Tal auf saurem Boden und mit einer alten Farm darauf mit Kunstverstand komplett umzugestalten; 1997 übernahmen seine Tochter Isabelle – die Sie beim Gartenbesuch vielleicht antreffen werden – und Ehemann Timothy Vaughan (englischer Landschaftsarchitekt) diese Aufgabe. Trotz mancher Sturmschäden, Überschwemmungen oder sogar gelegentlichem Wassermangel (!) entstand hier eine romantische, idyllische Gartenlandschaft. Viele Pflanzen kommen aus aller Welt, viele auch aus England, z.B. aus dem berühmten Betrieb Harold Hillier in Winchester. Über dem Haus sind schmale Terrassen mit empfindlicheren Arten (z.B. aus Afrika, Australien und Neuseeland) angelegt, unter dem Haus ein farbig bepflanztes, ummauertes Quadrat („Quatre Careés)“; blühende Bäume und Büsche finden sich überall, die „Goldene Heide“, eine Araukarien-Wiese, Bambus und riesige Gunnera verteilen sich im Garten. Wasser fließt plätschernd durch Becken, einen Teich, durch Kanälchen, über Treppchen, an der italienischen Muschelgrotte vorbei und mündet im Westen in den Meeresarm von Tréguier, wo Sie einen Ausblick auf die schöne Stadt mit ihrer Basilika St. Tugdual haben. Im Haus gibt es eine kleine Ausstellung zur interessanten Geschichte von Kerdalo.

Jardin Éxotique de Roscoff
Jardin Éxotique, Roscoff
Jardin Éxotique, Roscoff

Dieser exotische Garten direkt an der Felsküste ist relativ „jung“, verglichen mit anderen hier in der Region. Nachdem Roscoff im Jahre 1986 wieder in den Besitz des chaotischen, 18 m hohen Granitfelsens „Roc‘h Hievec“ gekommen war, begannen ein Hotelier und ein Gärtner aus der Stadt damit, das Dornengestrüpp auszureißen und mit den Gartenarbeiten. Heute führen gewundene, teils staubige Wege und Pfade an einer Masse von Pflanzen aus Südafrika, Neuseeland, Südamerika, von den Kanaren, den Azoren und an der Flora Australiens vorbei; an Kakteen im Freiland oder im Glashaus. Sie sehen „Zuckerbüsche“ (Protea), „Zylinderputzer“ (Callistemon), Klebsamenbüsche (Pittosporum), Fackellilien (Kniphofia), „Nadelkissen“ (Hakea) – und wie sie alle heißen – in einer natürlich wirkenden Anordnung. Vom Roc‘h Hievec aus blickt man auf die Baie de Morlaix und die Marina und den Fährhafen von Roscoff. Der Felsen speichert Wärme und schützt die Vegetation vor Ostwinden; mit der Unterteilung in Gartenparzellen, einem Bach und einem umwachsenen Teich unterstützt das ein günstiges Mikroklima. Auch wenn die Kritiken („tripadvisor“) zu diesem Garten vielleicht nicht alle perfekt sind, ist der Besuch bei den etwa 3500 Pflanzenspezies doch lohnend.

Jardin Georges Delaselle, Ile de Batz
Jardin Georges Delaselle, Ile de Batz
Jardin Georges Delaselle, Ile de Batz (soedher, stock.adobe.com)

Den „Amis du Jardin Georges Delaselle“ und dem staatlichen „Conservatoire Littoral“ verdanken wir die Rettung dieses Gartens vor dem Verschwinden. Auf der Île-de-Batz im offenen Meer, gleichzeitig vom milden Golfstrom begünstigt und dem rauen Atlantikwetter ausgesetzt, sieht man heute und besonders in den Sommermonaten (Blüten, Düfte) wieder das Werk des Gartengründers Delaselle von 1897 bis 1944: eine geschützte Oase für über 2500 Spezies exotischer Pflanzen (überwiegend aus der südlichen Welt). Alles hat seinen Platz: der Palmenhain im Sand mit subtropischen Arten, Sukkulenten, Kakteensammlungen, der Maori-Garten (Phormium), ein mediterraner Steingarten, der Australien-Bereich, Proteen (Herkunft südliches Afrika), krautige Dünenpflanzen und -gräser. Viele fremde Pflanzen hatten heimkehrende Seeleuten sogar vorher schon mitgebracht und auf der Insel angesiedelt (wie Mittagsblume, Chinesische Hanfpalme, Drachenbaum, Agaven etc.). Und ein Grab aus der Bronzezeit hatte Delaselle beim Schaufeln auch noch entdeckt (Nekropolis). Erreichbar ab Roscoff: ca 15-minütige Fährfahrt; etwa 15 Gehminuten vom Inselanleger bzw. mit einem Inseltaxi.

Trévarez
Trévarez
Trévarez

Hier im Schlosspark von Trévarez an der D36 südlich von Châteauneuf-du-Faou, im etwas dunkleren und häufig neblig-regnerischen bretonischen Landesinneren, ist alles weitläufig. Weite Spazierwege durch Wald-, Park-, Busch- und Grasland, lange Abhänge, riesige Bäume, massive Rhododendren-, Kamelien- (Winterblüte) und Hortensienpflanzungen (Blüte von Juni bis in den September). Bis unten zur kleinen Kapelle ist es in sommerlicher Hitze (oder im Regen) fast schon zu weit… Aufstrebend und stattlich das ziegelrote Château (wo hier doch üblicherweise in Granit gebaut wird!) von Trévarez (1894-1906) im viktorianisch-neogotischen Misch-Stil – es steht dominant auf einem Plateau über offener, weiter Parklandschaft mit Blick auf die Monts d‘Arrée im Norden. Dazwischen alte Gewächshäuser, Gartenkunst-Parzellen und je nach temporärem Ausstellungsplan häufig Land-Art im Freien. Das Schloss – bombardiert im Zweiten Weltkrieg – wird innen kontinuierlich renoviert und ist teilweise zugänglich und schon sehr sehenswert. In den ehemaligen Stallungen („Ecuries“) sind wechselnde Ausstellungen, das Café und der Shop. Es gibt Theater, Konzerte und Events; und über Weihnachten werden Schloss und Park spektakulär und leicht „spooky“ mit Lichteffekten in Szene gesetzt („son et lumière).

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