Pont Aven, Zentrum
Pont Aven, Pension Gloanec
Pont Aven, Moulin de Rosmadec
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Pont-Aven – Stadt der Maler … und der Kekse

Pont Aven zieht uns in Bretagne-Urlauben immer magisch an – mindestens einmal. Das ist zum schönen Ritual geworden; Pont Aven ist ja auch ein hübsches malerisches Städtchen, durch das der Fluss Aven geruhsam an riesigen Granitblöcken vorbei in Richtung Meer fließt. Jeder findet hier etwas Interessantes. Besuche in „unserem“ Café, in der Buchhandlung oder im Schokolade-Laden; am Hafen oder im Museum mit der aktuellen Kunstausstellung. Den Glasbläser beobachten, Schaufenster und neue Läden entdecken, die meist hochwertig und geschmackvoll sind. Bücher kaufen – und viele Mitbringsel natürlich.

Pont Aven, Geschäft für Fischkonserven
Geschäft für Fischkonserven

Es gibt da auch eine bemerkenswerte Häufung von Kunstgalerien: über 60; sehr viele Bisquit- bzw. Keksläden und Läden mit den typisch bretonischen Streifenshirts. Das alles bei nur knappen 3.000 Einwohnern. In Delikatessengeschäften bekommt man z.B. typisches „Caramel au Beurre Salé“ mit vielen Frucht-Aromen; die bunten Fisch-Plastiktaschen aus dem Fischkonservenladen trifft man an den komischsten Orten Europas wieder, z.B. daheim auf dem Wochenmarkt. Im Juli/August, wenn ganz Frankreich und das restliche Europa Ferien macht, herrscht zwar oft dichtes Gedränge und Parkplätze sind rar; aber in der Nebensaison ist es dafür umso schöner.

Pont-Aven ist heute ein echter Besuchermagnet mit sehr viel Kultur. Das hat direkt etwas mit den ersten Besucherwellen vor gut 150 Jahren zu tun. Damals hatte die kleine Gemeinde nur ca. 1.600 Einwohner und „14 Mühlen (moulins) und 15 Häuser “. Die Moulins waren sehr wichtig für das Bestehen von Pont-Aven. Sie standen auf einer Strecke von etwa 2 km dicht hintereinander am Fluss. Das Mehl wurde im geschäftigen Gezeitenhafen umgeschlagen. Bis 1925 mussten die Mühlen eine nach der anderen schließen, aber eine läuft noch – „just for show“ – im Restaurant „Moulin du Grand Poulguin“.

In den 1830er Jahren ging es los. Einige Künstler tauchten ausgerechnet hier auf und quartierten sich irgendwo ein. Die Mundpropaganda kursierte. Bald kamen sie nicht mehr nur aus Paris oder Frankreich; viele Amerikaner und Engländer entdeckten Pont-Aven ab 1864 (wie Henry Bacon, Robert Wylie, Earl Shinn u.v.m.). Ihr Mal-Atelier war das „Manoir de Lezaven“ oben gegenüber dem Parkplatz. „Das Leben ist billig, und wir könnten keinen besseren Ort zum Malen finden, denn Modelle sind erhältlich und posieren für ein paar Pfennige“, schrieb Frederick Bridgman 1866. Der Ort wurde allmählich zur beachtlichen Künstlerkolonie, überwiegend in den Sommern. Ein berühmtes Foto von damals zeigt mindestens 30 abenteuerlich aussehende Männer mit einer Staffelei dazwischen hintereinander auf einer Brücke.

Maler reisten in die Bretagne, im Trend der Freiluftmalerei und Romantik; die intakte wilde Natur ganz ohne Großstadtstress zog sie an, wo man ländliche bäuerliche Szenen, teils einfache und gläubige Menschen oder uralte Kirchen und Häuser aus grauem Granit malen konnte. 1863 setzte die neue Zuglinie von Paris nach Quimperlé ein (von da waren es dann nur (!) noch 20 Stunden mit der Kutsche bis Pont-Aven). Ab 1903 fuhr der Zug bis Pont-Aven, und die Reisen waren endlich nicht mehr so gefährlich und kräftezehrend.

Pont Aven, Pension Gloanec
Pension Gloanec

Und einen riesigen Vorteil hatte Pont-Aven: hier sprachen viele Leute französisch (wegen des Hafens), und nicht nur bretonisch wie anderswo. Viele Gleichgesinnte kamen jetzt hier zusammen, das bedeutete regen künstlerischen Austausch, Inspiration und eine recht gute (feucht)fröhliche Arbeitsatmosphäre. Das Leben war günstig – viele Künstler waren ja chronisch pleite, wie weltberühmt sie heute auch sein mögen. Mehrere Gastwirtschaften und Farbhandlungen, Pensionen und Hotels machten auf. Zum Beispiel das „Hotel des Voyageurs – Hotel Julia“, in dessen Anbau heute das Kunstmuseum ist. Der Alkoholausschank im Ort wurde bis 22 Uhr verlängert, und die Geschäfte der „Pontavenisten“ liefen gut! Sie waren auch hilfsbereit. Kost und Logis waren z.B. in der neuen rustikalen Pension „Gloanec“ (seit 1860) sehr billig, sogar für ärmere „Farbkleckser“ geeignet. Üppige Mahlzeiten waren inklusive: „…gute Küche, mit der man auf der Stelle gemästet wird…“. Die gutherzige Wirtin „Mère Gloanec“ mochte ihre neuen Gäste sehr, die bald ihre Schützlinge wurden; wenn denen das Geld ausging, konnten sie auch mit Zeichnungen und Gemälden bezahlen, die überall im Haus aufgehängt wurden. Alle gingen ein und aus, diskutierten und feierten. Heute ist in diesem Haus das „Maison de la Presse“, eine anspruchsvolle Buchhandlung mit Papeterie und Ausstellungsräumen. Das bessere, zweite Hotel der Mère Gloanec, das frühere „Hotel Le Glouannec“, läuft seit den 30er Jahren übrigens unter dem Namen „Les Ajoncs d‘Or“.

Dann kam 1886 Paul Gauguin dazu. Gauguin, Émile Bernard, Paul Serusier, Émile Jourdan und viele andere wurden zur berühmten „Schule von Pont-Aven“ – um zu experimentieren und um beim Malen „alles zu wagen“ („le droit de tout oser“, Gauguin). Viele Bilder aus dieser Epoche regten neue Stilrichtungen an (Cloisonismus, Synthetismus, Symbolismus, Fauvismus, die Nabis) – wie das für die damalige Auffassung sehr farbige und flächige Bild „Talisman“ von Sérusier, das ein Stückchen Flussufer am Aven darstellt (schnell auf einen kleinen Holzdeckel dahingemalt). Statt wie damals in der Pension Gloanec hängen die Gemälde heute in den großen Museen der Welt, in Europa, Kairo, den USA, Japan… Und in Pont-Aven und in der Bretagne. 1889 wurde es Gauguin in Pont-Aven zu voll und er zog 30 km weiter, in eine bescheidene „Buvette“ (eine Schankstube) am Meer in Le Pouldu; mit dabei waren Meyer de Haan, Sérusier, Filiger. Das jetzige „Maison-Musee le Pouldu“ ist eine Rekonstruktion davon, man sieht dort einige Wand- und Deckengemälde der Künstler.

In der ganzen Bretagne wurde ja gemalt: in Concarneau, auf Quiberon, in Camaret, im Landesinneren und auf den Inseln; alltägliche Szenen und Naturgewalten, Drama, keltisches Erbe, Mystik und Frömmigkeit. Auf der „Belle-Île“ und der „Île de Groix“ (Claude Monet, Henry Moret), am Cap Sizun (Henri Matisse), in Saint-Briac-sur-Mer bei Saint-Malo (Auguste Renoir, Henri Rivière), in Concarneau (Paul Signac), Douarnenez und Morgat (Odilon Redon). Maxime Maufra, Maurice Denis, Claude-Émile Schuffenecker, Laval, Cottet…; auch William Turner war hier zwischen 1826 und 1829 unterwegs.

Sérusier bewältigte malend eine monatelange Fußwanderung und lebte bis zu seinem Ende in Châteauneuf-du-Faou an der Aulne, wo jeder seine bunten Wandfresken in der Kirche Saint-Julien anschauen kann. Eine auch sehr sehenswerte Dekoration ist das grandiose Deckenfresko in der Opéra in Rennes (1914) von Jean-Julien Lemordant, dem bretonischen „Fauve“, der 1905–09 auch eine Wandfläche von 60 qm (!) des Speisesaales im altehrwürdigen Hotel de L‘Epée mit seinen bretonischen Fischerei- und Ackerbau-Szenen bemalte (die jetzt sicher im Museum von Quimper für die Nachwelt aufbewahrt werden). Lemordant lebte und arbeitete vor allem in Penmarc‘h.

Kunst hat die „abgelegene“ Bretagne berühmt gemacht. Es gibt viele „Musées des Beaux-Arts“ in der Bretagne (Rennes, Vannes, Quimper, Brest, Morlaix); auch der kleine Ort Le Faouet mit knapp 3.000 Einwohnern hat eines. Ein Publikumsmagnet sind auch die hochkarätigen Ausstellungen (Giacometti, Picasso, Chagall, Miró, Henry Moore…) der Stiftung Leclerc in Landerneau bei Brest – am Standort der allerersten Leclerc-Supermarkt-Filiale!

Absolut zu empfehlen ist das recht moderne Museum von Pont-Aven. Es besitzt 430 Gemälde „seiner“ Künstler (insgesamt 2.100 Kunstobjekte plus 3.500 antike Postkarten), obwohl der Ort auch nur etwa 2.900 Einwohner hat. Es ist überhaupt ein sehr schönes Gefühl, wenn man markante Punkte aus dem eigenen Bretagne-Urlaub auf berühmten Bildern wiedersieht: wie den Calvaire im Dorf Nizon („Le Christ Vert“) oder die Trémalo-Kapelle („Le Christ jaune“) von Gauguin, die Kirche in Camaret bei Eugène Boudin, oder das kleine Oratoire vor dem Castel Beau Site Hôtel am Strand der Côte Granit Rose von Albert Clouard.

 Paul Gauguin, La Ronde des petites Bretonnes (1888)
Paul Gauguin, La Ronde des petites Bretonnes, Pont Aven (1888) (National Gallery of Art, Washington)

Viele Motive von Gauguin, der ein sehr wirkungsvoller Werbeträger ist, findet man außerdem seit 1980 auf den hübschen Blech- oder Pappschachteln der traditionsreichen „Traou Mad“-Kekse (das bedeutet “schöne Sachen“); also Kunstgenuss kombiniert mit Leckereien, das gehört ja auch dazu. Die anderen beiden Hersteller von Keksen (die genauen Bezeichnungen lauten „Palets“ und „Galettes“), Crêpes Dentelles, Gavottes und Kuchen sind die alteingesessenen Häuser „Isidore Penven“ und die „Biscuiterie de Pont-Aven“. Die haben sich wegen der 14 Mühlen und der Mehlherstellung hier angesiedelt und expandieren seither, und sie haben Pont-Aven das Gütesiegel „site remarquable du gôut“ eingebracht – eine Qualitäts-Auszeichnung wie zum Beispiel das Label „jardins remaquable“ für Gärten in Frankreich, nur eben für „gutes Essen“.

Also – auf in die Galerien und hübschen Geschäfte, ins Museum und an den Fluss, um Gauguin-Motive zu suchen. Etwas Neues gibt es immer zu entdecken: beim nächsten Aufenthalt in der Bretagne und – in Pont-Aven, der „CITÉ DES PEINTRES“!

Noch etwas:
  • Ein Spazierweg auf Spuren der Maler führt vom Ortszentrum durch den „Bois d‘Amour“ am Fluss entlang und bis zur Kapelle von Trémalo, mit Schautafeln zum Durchlesen
  • Der erste „Bannalec“-Kriminalroman mit Kommissar Dupin hat das Verschwinden und Auftauchen geheimnisvoller Gemälde in Pont-Aven – mit Mord – zum Thema. Dadurch kommen natürlich auch nicht gerade weniger Touristen hierher
  • Der TV-Film dazu wurde 2013 in Pont-Aven, in Restaurants von Concarneau (Amiral, La Coquille) und in der ganzen Region gedreht. Er hatte auch in Frankreich hohe Einschaltquoten
  • Ein Spazierweg führt am Aven entlang an den ehemaligen Stätten der 14 Mühlen vorbei, die jeweils mit einem Holzschild markiert sind. Eine davon ist das Sterne-Restaurant „Moulin de Rosmadec“ mitten im Zentrum.
  • Die 7. Mühle, die Moulin de Penanros, heißt jetzt Getreidemühle „Minotérie Le Dérout“ und produziert weiterhin traditionelle Mehle für die Bäckereien der Region und auch für den Direktverkauf in der rue du Bois d‘ Amour Nr. 10, allerdings in einem umgerüsteten Betrieb, ohne alte Mühlräder
  • In der oben erwähnten „Moulin du Grand Poulguin“ gibt es Crepes, Pizza und regelmäßig Live-Musik
  • Falls Sie etwas wandern wollen: vom Hafen aus kann man am Fluss Aven entlang Richtung Meer laufen. Bis ganz zum Meer ist es schwieirg, da muss man ab und zu etwas ins Landesinnere ausweichen, aber insgesamt ist es ein sehr schöner Weg.
  • Im August, immer zur letzten Springflut, findet das große Fest der „Belle Angèle“ mit Musik und Programm statt, zu dem viele historische Segelschiffe und Schoner in den Gezeitenhafen einfahren. Das Wahrzeichen davon, die eigentliche „Belle Angèle“, ist im Oktober 2017 gesunken, und der Kapitän ertrank tragischerweise.
  • Ebenfalls im Hafen findet mehrmals jährlich ein großer Brocante- und Antiquitäten-Markt statt.
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